3 Achtsamkeits-Tipps für den Alltag

3 Achtsamkeits-Tipps für den Alltag

Geschrieben am 21.03.2020
von Philipp Heiler



Achtsamkeit hat viele Facetten. Als Organisationstechnik bei der täglichen Arbeit, als Kommunikationsstrategie im zwischenmenschlichen Umgang oder als grundsätzlicher Charakterzug im Rahmen der Persönlichkeit. Je mehr wir den achtsamen und bewussten Umgang in unseren Alltag einfließen lassen, desto deutlicher spüren wir die positiven Effekte. Auf uns selbst und unsere Mitmenschen.

Ob als Einsteiger oder Fortgeschrittener, oft sind es die kleinen Dinge und Handlungen, die einen essentiellen Beitrag zur Achtsamkeit leisten. Im folgenden daher 3 einfache Tipps für den Alltag, die zwar schnell umsetzbar, aber dennoch nicht zu unterschätzen sind.


 


Tipp 1: Achtsamer erster Kaffee



Ich bin meistens als erstes bei uns im Büro bzw. in der Praxis und trinke morgens gerne eine Tasse Kaffee oder Espresso. Beim Einschalten der Kaffemaschine juckt es schon wieder in den Fingern: die Maschine muss aufwärmen und in diesen 9 Sekunden hätte ich doch schon wieder Zeit auf mein Smartphone zu schauen. Vielleicht ist etwas wichtiges passiert...

Was früher ein unbewusster Reflex war, den ich mir mit der Ausrede "produktiv zu sein" erklärt habe, ist mittlerweile ein bewusstes Achtsamkeits-Ritual. Während die Kaffeemaschine aufwärmt und anschließend der Kaffee durchläuft, lasse ich mein Smartphone in der Hosentasche und bleibe mit meinen Gedanken bei diesem vermeintlich eintönigen Prozess.

Ich mache mir klar, dass ich dadurch nicht unproduktiv bin und nicht Zeit verschwende. Im Gegenteil, mit dieser Minute Ruhe bereite ich mich auf den Tag vor und grenze mich klar von der Hektik ab.

Das ganze klingt nicht sehr spektakulär, ist aber einerseits schwieriger als gedacht (einfach mal ausprobieren) und andererseits merke ich, wie sehr ich dieses Ritual vermisse, wenn ich es einmal nicht durchführen kann.


 


Tipp 2: Informations-Kanäle reduzieren



Neue Möglichkeiten bringen auch neue Herausforderungen mit sich. Unterwegs, ob in Freizeit oder auf dem Arbeitsweg, stellt uns das Smartphone endlose Optionen zur Verfügung, die Zeit "sinnvoll zu nutzen".

Dadurch entsteht auf der anderen Seite bei uns Menschen aber auch häufig der Drang oder sogar Zwang, alle diese Optionen gleichzeitig auszuschöpfen. Der Heimweg in der U-Bahn gestaltet sich dann meist als Multitasking aus Musik / Podcast hören, Nachrichten-Apps (manchmal auch mehrere parallel) und Kommunikations-Apps / Social Media (meist ebenfalls mehrere).

Dieses Verhalten hält unser Gehirn davon ab, nach einem anstrengenden Arbeits- oder Schultag zu entspannen und herunterzufahren. Anstatt uns Ruhe zu gönnen, halsen wir uns noch mehr anstrengende Aufgaben auf.

Eine mögliche Achtsamkeits-Übung in diesem Zusammenhang, die ich gerne empfehle: die Anzahl an Informations-Kanälen reduzieren. Musik hören ist OK, aber dann darf das Display des Smartphones auch mal aus bleiben. Oder ich entscheide mich bewusst, die Nachrichten des Tages zu lesen. Dann sollte ich aber auch nicht ständig in Social Media Apps springen und muss mich auch nicht zusätzlich mit Kopfhörern beschallen.

Auch hier ist die Beobachtung der Reflexe und Gewohnheiten sehr spannend. Was steckt wirklich dahinter? Bekämpfen wir Stress mit mehr Stress? Haben wir Angst, die Zeit nicht gut zu nutzen? Können wir die Ruhe nicht aushalten?


 


Tipp 3: Hören ist nicht gleich Zuhören



Was auf den erste Blick klingt wie eine abgedroschenen Floskel, ist bei genauerer Betrachtung ziemlich spannend und begegnet uns in vielen Bereichen des Alltags. Dazu zählen Arbeit, Freundeskreis, Partnerschaft und Familie.

Wärend im deutschen die Wörter hören und zuhören sehr ähnlich klingen, zeigt sich im Englischen beispielsweise ein viel klarerer Unterschied zwischen to hear und to listen. Das eine beschreibt, dass eine akustische Information mein Gehirn erreicht und zur Kenntnis genommen wird, wohingegen das andere klarmacht, dass diese Information tatsächlich aktiv verarbeitet wird.

Natürlich könnte man über dieses Thema Stunden lang diskutieren, aber hier soll es ja um kurze Alltags-Tipps gehen. Daher eine Übung, die wir häufig in Trainings und Workshops einsetzen: das achtsame Zuhören. Dies kann als aktive Übung, aber auch als Kommunikationsstrategie beispielweise im Freundeskreis oder mit dem Partner eingesetzt werden.

Dabei sollen sich 2 Menschen ein paar Minuten, z.B. 2x2 Minuten unterhalten. Allerdings soll die ersten 2 Minuten nur der eine Partner sprechen und der andere zuhören. Nicken oder Zustimmen ist natürlich erlaubt, der Partner muss nicht wie ein Roboter gegenüber sitzen, aber er soll eben nicht selbst etwas dazu sagen. Der Druck zu reagieren fällt dadurch weg und die gesamte Kapazität liegt auf dem Zuhören.

Nach den 2 Minuten werden die Rollen getauscht. Anschließend können beide Partner zusammen reflektieren, wie es ihnen mit dieser Übung ging. Dabei zeigen sich interessante Beobachtungen, sowohl beim Sprechenden als auch beim Zuhörenden.

Auch in normalen Konversationen kann dadurch das Zuhören verbessert werden. Die Gedanken bleiben länger beim Gesagten meines Gegenübers und die Informationen werden tatsächlich von meinem Gehirn verarbeitet.